08. März 2016

Über die Arbeitsmoral spanischer Bauuarbeiter

Nun, da bald unser Haus fertig renoviert ist, wird es Zeit die Arbeitsmoral spanischen Bauarbeitern zu beschreiben. Immerhin kenne ich diese, aus meiner kurz zurück liegenden Jugend, als Wein trinkende und nach Knoblauch stinkende Siestamacher. Auch sind sie die größten Pfuscher auf dieser Welt und natürlich die Unpünktlichkeit in Persona. Also, ganz das Gegenteil vom fleißigen, ordentlichen deutschen Arbeiter.

Als die vier leitenden Angestellten der Baufirma Ruamir das Haus zwecks Abgabe eines Angebotes besichtigten, machten sie auf mich den Eindruck wie die vier von der Tanke, also, vorsichtig ausgedrückt, nicht den besten.

Dieser Eindruck bestätigte sich, als die Baustelle eingerichtet wurde. Ein in die Jahre gekommener Lastkraftwagen (LKW) lieferte noch älteres Bauequipment an. Das waren drei ururalte völlig vergammelte Schubkarren, deren Räder mehr eckig als rund waren, ein Eisengerüst für hochliegende Arbeiten, dessen Annahme ein Schrotthändler dankend ablehnen würde, sowas wie ein elektrifizierter Flaschenzug, eine Betonmischmaschine, sicher Baujahr 1980 oder früher, Spaten und Schüppen (in Ermangelung einer ausreichenden Anzahl wurden weitere bei uns ausgeliehen), sowie eine Vielzahl von wurmstichigen Brettern und Bohlen. Nicht vergessen darf man diverse Verlängerungskabel die den Vorteil hatten, man brauchte sie nicht mehr kaputt zu machen.

Das Gerüst wurde, wegen fehlender Räder, von zwei Mann immer zum passenden Einsatzort getragen. Um das Tragen der Gerüste zu erleichtern, wurden diese ohne Absturzsicherung und nur mit einem schmalen Trittbrett pro Ebene aufgestellt.
Da die Fallhöhe für die Arbeiter mit 6,50 Meter übersichtlich und ein Kippen des Gerüstes eher wahrscheinlich als als ein Absturz war, konnte man gut auf die Sicherungen verzichten. Sparte Zeit und Geld.

In unserem betagten Haus wurden auch Materialien verbaut, die heute als krebserregend verboten sind, wie etwa die altbewährten Eternitplatten.

In Deutschland ist das Entsorgen von Eternitplatten eine Sache von Spezialisten. Sie sind für solche Arbeiten völlig vermummt, als wollten sie sich zu einem Weltraumspaziergang aufmachen.

Ein spanischer Bauarbeiter, hat so ein Mumpitz nicht nötig, wenn er die Platten mit einem Trennschleifer in einer Wolke aus Feinstaub in handliche Stücke zerteilt.

Großen Unmut erzeugten die Bauarbeiter bei Maria Paz mit ihren Ordnungssinn und der Liebe zu diversen Pflanzen. Denn mit der Zeit war das Haus von allen möglichen und unmöglichen Materialien umgeben und die Blumen erdrückt.

Zwei Mauer, ein junger Mann so um die 38 Jahre, ein 59 jähriger und einem, zeitweise zwei jüngere Hilfsarbeiter haben sich unserem Haus angenommen. Lückenlos koordiniert (überwacht) wurden sie von dem buckligen Alfonso.

Alfonso versteht sein Geschäft. Jeden Tag, zehn Stunden, schaute er den Arbeitern auf die Finger. So hat er Fehler (kostet ihm Geld) und den Pfusch am Bau (kostet uns Nerven) vermieden.

Aber auch die Maurer verstehen ihr Geschäft. Der ältere der beiden Maurer meinte gar, er sei mit der Kelle in der Hand geboren. Nach Maria Paz und meinem Eindruck kann das durchaus möglich sein.

Beide Maurer können nicht nur „Stein auf Stein“ legen, sondern bewiesen ihr handwerkliches Können auch bei anderen Gewerken. So als Eisenbieger und Betongießer für Dach und Decke, als Dachdecker, Kaminbauer, Fliesenleger, Anstreicher, Holzbearbeiter und, soweit sinnvoll und erlaubt, als Installateur und Elektriker.

Jeden Tag standen sie pünktlich auf der Matte um dann mit einem wahnsinnigen Tempo und ohne inoffizielle Ruhepausen zehn Stunden zu malochen. Und eine Maloche ist zum Beispiel das Ausgraben von Drainagen und der Abtransport von Abraum mit den oben beschriebenen Schubkarren. Was die Herren in einer Stunde geleistet haben, dafür bräuchte ich eine Woche und eine neues Vokabular an Schimpfwörtern.

Auch das Dopen mit jeder Art von Alkohol während der Arbeitszeiten war ihnen verpönt. Ausnahme war Ruben, der Bruder von Alfonso und einer der Miteigentümer, ihm flatterte nach jedem Mittagsmahl eine Fahne voraus. Aber er war auch nur auf der Baustelle um als einziger mein Vorurteil zur Arbeitsmoral von spanischen Bauarbeiten zu bestätigen.

2 Gedanken zu „08. März 2016

  1. Wau, das sieht ja mittlerweile richtig gut aus. und so vornehm. Helmut, da kannst du mit deinen alten „Holzlöffeln“ aber nicht drin rum laufen.
    Deine Meinung zu spanischen Arbeitern irritiert mich aber schon etwas. die haben doch eigentlich einen sehr guten Ruf!
    P.s. Kein Kommentar zu Hühnern????

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