18. November 2015

Der Koffer is wech

Heute sind wir nach einem Aufenthalt in Spanien von mehr als sieben Monaten wieder zurück nach München geflogen.
Die beiden Flüge waren unaufgeregt und pünktlich.
In München angekommen, man kann es kaum glauben, kam als erstes Gepäckstück die Reisetasche von Maria Paz und einen Augenblick später mein bescheidener Tageskoffer vom Gepäckband gepurzelt.

Da in der Reisetasche locker zwei Menschen mit zwergenhaften Wuchs passen und diese, die Tasche, auch noch mit dem Gewicht einer ausgewachsenen Diesel- Lokomotive befüllt war, benutzte ich zum Transport derselben einen Gepäckwagen, während Maria Paz mein Köfferchen lieblos hinter sich herziehen durfte.

Unser Glück am Gepäckband kaum fassend sind wir schnellstens zum Fahrkartenautomaten für die S-Bahnen gelaufen um eventuell eine frühere S-Bahn zu erwischen, denn das Weißbier bei Arnold’s wartete.

Der längere Aufenthalt in Spanien hatte unsere Realitätssinne verkümmern lassen – wie konnte es anders sein -, die S-Bahn hatte 25 Minuten Verspätung.

Auf dem Bahnsteig wartend und nach langem Nachsinnen fiel Maria Paz auf, dass mein Köfferchen nicht den Weg zur S-Bahn gefunden hatte.

Kaum hat sie den Verlust mir gegenüber geäußert, bin ich wie von einer Tarantel gestochen zurück zum Fahrkartenautomaten gerannt.

Schon von weitem konnte ich das riesige Polizeiaufgebot von zwei Beamten sehen die sich über die Möglichkeit einer Bombe im inneren des Köfferchens Gedanken machten.

Ich war froh, dass sich, fünf Tage nach dem Terroranschlag in Paris, kein Langfinger an fremdes Eigentum in Form eines Koffers traut.
Obwohl ich, als Entschuldigung für meine Dummheit, den Beamten gegenüber mein Alzheimer geschädigtes Hirn und eine Überforderung meiner intellektuellen Fähigkeiten beim Bedienen des Fahrkartenautomaten aufführte, musste ich mir eine gepfefferte Gardinenpredigt von den temporären Bewachern meines Eigentums anhören.

Endlich kam die S-Bahn. Kurz vor dem Eintreffen der Bahn in Moosach fiel es mir wie Schuppen vor den Augen, denn mir kam die Erkenntnis, dass nicht ich, sondern mein mit einem phänomenalem Erinnerungsvermögen und mit einem ausgeprägten Sinn für Besitzwahrung ausgestattetes Weib, mein Köfferchen in der Wildnis des Flughafens vergessen hatte.