Hömma, les ma…!

Nachfolgender Text ist nicht auf meinen Mist gewachsen.
Aber, er beschreibt in dem mir bekannten Dialekt was auch ich in meiner Kindheit gemacht und erlebt.

Hömma, les ma…!
So Anfang vonne Siebziger, da hasse als Blage auffm Hof rumgespielt, da kam der Nachbar am Fenster und rief:

„Ey, gehsse ma anne Bude für mich? Holsse ma 4 Pullen Bier un nen Kurzen, da bleibt ne Mark übba, dat kannze behalten.“ Wir alle ab zur Bude, da standen rechts un links de riesen Gläskes mitte Rollmöpse un mit de Klümpkes, da gabet auch imma dat Lifti Wassaeis im Sommer. Da hat noch keina gemuckt, dasse noch keine 16 bis, wenn de Streichhölzer kaufen wolltes.
Wir sin durch de Schrebbagärten gestrolcht, haben Möhrn, Kolrabi, oda je nache Jahreszeit Kirschen, Pflaumen, Äppl un Birnen gemopst, nix wa voa uns sicha. Wenn man uns beim Obstklauen erwischt hat wurde gemeckert: „Hömma, du Rotzblage, dat sach ich zu deine Eltern.“
Als man abba Aahms na Hause kam, wa nix, weil die Nachbarn do nix gesacht hatten, man hattes so hingenommen. Herbstferien? Wat is dat? Ker nee, dat nannte man bei uns noch Kartoffelferien, de Kartoffeln hasse so in dat Feuer gehalten un hastze dann ohne allet gefuttert, de Schnüss wa danach pechschwatt.
Biss Aahms na Hause, wenn de Laternen angingen. Kamse inne Wohnung, hat der Vadda gefracht: „Habta Feuer gemacht?“
Da hieß et: „Nöö wir doch nich.“ Stanken abba wie ne Horde Indianer nachm Lagerfeuer.
Wir haben Buden gebaut, vom Bau dat Holz geklaut, wir waren eine Gemeinschaft, haben beim Klüngelskerl unser Hab und Gut verscheuert, warn im Keller un haben dat Eingemachte gefuttert un den Aufgesetzten probiert.
Wir haben Seifenkisten gebaut, sin damit rumgegurkt, Lenkung mit ner Wäscheleine gemacht.
Et hatte au no nich jeder nen Staubsauger. Nee hömma, da wurden auffm Hof noch de Teppiche ausgekloppt, un wennze frech warst, hasse ein mitn Teppichkloppa auffe Fott gekriecht, abba et hatte uns nich geschadet.
Man kannte früha als Blage noch Anstand un Sitte, hatte noch von alleine gegrüßt, de Türn aufgehalten, de Einkäufe vonne Nachbarn nach oben geschleppt, Kohlen eingeschöppt, un et fielen ja imma n‘ paar Groschen ab, um sich anne Bude wat zum Schnuckern zu kaufen.
Samstach wa Badetach, da gaabet aahms immer Bockwurst mit Kartoffelsalat.
Et gab au noch de Freibank, wo de halbe Schweine günstich kaufn konnz, denn et wa nich viel Knete da, abba unsere Alten haben uns vernünftich ernährt un erzogen.
Au wennet de Kohle un Stahl nich mehr gibbt, wir sind heute die, die dat Ruhrgebiet weiter leben lassen un imma lieben.
Ich hatte eine töfte Kindheit, un bin von ganzen Herzen stolz, hier aufgewachsen zu sein. Mein Ruhrgebiet! Mein Rheinhausen!

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