9. August 2014

Fiesta in Posada

Mir erscheint, dass Spanien das Land mit den meisten Heiligen ist.

Jedes Gemeinwesen mit mehr als einem Haus feiert den Namenstag ihres Patronatsheiligen bzw ihrer Patronatsheiligen mit einer großen Fiesta.

Auf der Dorfwiese kommt dann die große Kirmes mit Fahrgeschäften, wobei hier der Singular „Geschäft“ der Sache gerechter wird. Niedliche Kinder mit niedlichen Trachten raus geputzt von weniger niedlichen Müttern machen dann mit beim großen Umzug durch das Dorf. Dieser wird begleitet von dem Gejammere der Gaita (nordspanischer Dudelsack) und von monotonen Trommelklängen.

Zu der Zeit in dem die Zelte auf dem Oktoberfest von den letzten Gästen gräumt werden, so gegen 23 Uhr, beginnt hier das große Musikfestival.

Es folgt ein Wettstreit von Musikgruppen, die auch außerhalb des Dorfes bekannten sind, um den lautesten Gesangessvortrag.

Ob man will oder nicht, auch wenn man drei Kilometer entfernt wohnt, man darf an diesem Musikgenuss kostenlos teilhaben.

Fenster schließen, Ohropax, die Ohrenwärmer vom letzten Winter, es hilft nichts, es macht die ganze Nacht in deinem Kopf bum bum bum, dies bis mindestens fünf Uhr in der Frühe.

Und weil alles so wunderbar ist, darf es auch mal bis 7:30 Uhr gehen, so wie heute geschehen. Sollte es doch jemand mit Ohrpax und so zum Schlafen gebracht haben, so wird er sicher von der ohrenbetäubenden Knallerei, die immer um 5 Uhr in der Früh statt findet, aus dem Schlaf gerissen. Was der Sinn der frühen Knallerei ist… man weiß es nicht.

Sollte man, wegen der gleichzeitigen Einnahme von 30 Schlaftabletten die Feierlichkeiten verschlafen haben, dann wird man spätestens durch Heimkehrenden die, ähnlich wie Fledermäuse, mit Lauten den Weg zu ihrer Heimstätte orten, geweckt.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Heiligen, sonst wären es keine Heiligen, ein Leben in Keuschheit und Bescheidenheit geführt haben. Ob diese Fiestas, bei dem neben des Musikgenusses nur noch gesoffen, gefressen und gevög… wird, diesen Heiligen gerecht wird, bezweifel ich.

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr wenn es zu San Salvador wieder auf spanisch heißt:“ O‘ zapft is!“.