Unimog Absturz

zwangsweise musste ich meinen 18-monatigen Wehrdienst von 1970 bis Mitte 1971 bei der Raketenartilleriebataillon 150 in der Schill Kaserne in Emmerich absolvieren.
Nach der Grundausbildung wurde ich einem Vermessungstrupp zugewiesen, was den Umständen entsprechend nicht schlecht war.
Neben den allgemein üblichen Manövern hatten wir als Vermesser zudem noch „Friedensübungen“ durchzuführen. „Friedensübungen“ dienten dazu, dass wir für den Kriegsfall geeignete Stellen für den Abschuss von Raketen mit Atomsprengköpfen ausfindig machen mussten. Diese Stellen wurden von uns vermessen, so dass, das Ziel im Osten unseres Landes mit Glück auch getroffen und wir dort den amerikanischen Atommüll abladen konnten.
Eben eine Friedensübung!
Als Vermesser hatten wir spezielle Unimog‘s mit Kastenaufbau, ähnlich einem Wohnmobil nur ohne Ofen, Kühlschrank und Toilette. In den Schränken wurden unser Vermessungsutensilien aufbewahrt. Auf dem Boden lagen ca. 15 bis 20 schwere Vermessungssteine (ca. 25 KG/Stück) welche wir für die Feste Ortsbestimmung setzen mussten. Mit Hilfe dieser Steine wurde die Lafette sowie die Sergeant Rakete selbst für den Abschuss ausgerichtet.
Neben den Steinen durften Donald NN und ich auf Klappstühlen im sogenannten Koffer Platz nehmen.
Gefahren wurde das Gefährt von NN Brix. Neben Brix saß der Chef unserer kleinen Gruppe, ein Unteroffiziersanwärter Namens NN. Brix war Fahranfänger. – Was ich bis heute nicht verstehe, ich war, da entsprechend alt, so ziemlich der Einzige in unserem Zug mit Führerschein wurde aber nicht als LKW-Fahrer ausgebildet, was mich noch heute wütend werden lässt. –

Entsprechend ausgestattet ging es zu einer „Friedensübung“ in die Lüneburger Heide.
Für unsere Vermessungsaufgabe fuhren wir über einen zwei Meter hohen Damm der für eine Trockenlegung angelegt wurde. Eine enge Kurve nahm unser Brix etwas zu forsch. Der Kastenaufbau fing an zu schaukeln. Brix hielt da gegen. Was den Kasten veranlasste weiter aufzuschaukeln bis der ganze Unimog samt Personal und Steinen an Bord umkippte und die Böschung runter purzelte. Er blieb auf dem Dach liegen.
Donald und ich wurden von dem Berg von Vermessungssteinen begraben.
Mit vereinten panischen Kräften und der Gewissheit das der Unimog uns um die Ohren fliegen wird, da wir bei der „Rollade“ unsere glühenden Zigaretten aus den Mündern verloren hatten und der Diesel lustig von oben auf die Kippen tropfte, haben wir eine Tür öffnen können. Draußen angekommen stellten wir fest, dass wir vier, zwar unter Schock stehend, alle Knochen beieinander hatten.
Schnell war klar, wir brauchten Hilfe. Nur wie? Unser Sprechfunkgerät wurde von den Steinen zerschlagen, ein Anwesen in der Nähe war nicht in Sicht.
Wir hofften, dass unser Fehlen von unserem Gruppenführer bemerkt und man uns suchen würde.
Irgendwann bemerkten wir, dass ein Tiefflieger, ein Starfigther, mehrmals über uns flog. Wir nahmen aber keine weitere Notiz von ihm.
Vielleicht saßen wir so eine Stunde herum und haben unsere Wunden geleckt, da hörten wir ein riesiges Tamtam und sahen blau blitzendes Feuer in der Ferne.
Es rauschte eine Armada von Rettungs- und Bergungsfahrzeugen heran.
Der Tiefflieger hat doch tatsächlich unser Missgeschick bemerkt und seinem Fliegerhorst entsprechend Bescheid gegeben. Da der Fliegerhorst nicht über einen Einsatzplan für einen verunfallten Unimog des Heeres verfügte, wurde das große Besteck, welches für den Absturz eines Flugzeuges – der Starfighter F107G war für seine unorthodoxen feurigen Landungen bekannt und gefürchtet – vorgesehen war, aktiviert.
Nachdem unsere Mundstarre, ob des riesigen Aufwandes, überstanden war, wurden wir in einem Sanka verfrachtet und mit TatüTata zum Fliegerhorst transportiert.
Hier durften wir im Sanitätsbereich für einige Tage in freundlicher Umgebung die Privilegien der Luftwaffe genießen. Halbwegs zusammengeflickt wurden wir von unserem Bataillon zurückgeholt.
Es war bemerkenswert, wie alle vom kleinsten Dienstgrad bis zum Kommandeur Anteil an unserem Missgeschick und unsere Genesung genommen haben.