8. Dezember 2020

Ein Bus als Flugzeug

Maria Paz und ich wünschten uns eine Rückkehr nach München zum 8. Dezember 2020.
Wie immer war von mir mit Excel-Tabellen alles bestens geplant, sodass Maria Paz nur noch die Küche, das Bad, den Salon, den Kamin, den Kühlschrank putzen, die Betten frisch überziehen und das Taxi bestellen musste.
Auf dem Weg zum Taxi, welches am Tor auf uns wartete, erreichte mich eine SMS der Fluggesellschaft Iberia mit dem Inhalt, dass ich mich bei ihnen melden sollte, da der Flug von Oviedo nach Madrid storniert wurde.
Was tun sprach Zeus, wir entschieden uns für das Taxi und ließen uns für 50 Euronen zum Flughafen chauffieren.
Hier angekommen waren wir nicht nur hilflos sondern auch orientierungs- und ahnungslos. Es herrschte im Flughafengebäude so was wie eine operative Ordnungslosigkeit. Die Unfreundlichkeit des Personals machte die Sache auch nicht besser.
Auf sanftem Drängen der überforderten Counter-Dame haben wir uns für die Reise nach Madrid auf die Mitfahrt in einem Bus entschieden.
Damit wir diese fünfstündige Tortur auch durchhalten gab es ein Lunchpaket. Inhalt ein Bocadillo, zäh wie Gummibärchen, und ein Fläschchen Wasser, und nicht zu vergessen, eine Papierserviette war inbegriffen.
Dem Flugpreis von 180 Euro pro Person stand nun die Busfahrt, normal Preis ca. 35 Euro plus die Kosten für das Gummimenü, gegenüber. Das Menü war somit das teuerste Essen meines nicht gerade kurzen Lebens.

Im Bus hat sich Maria Paz mit Mitreisenden unterhalten und hierbei erwähnt, dass wir unseren Flieger nach München verpassen und wir nicht wissen wo und wie wir die Nacht verbringen werden, da der nächste Flug erst am kommenden Tag abhebt.
Ein allgemeines Unverständnis machte sich breit bei gleichzeitigem Zücken der Smartphone.
Und siehe da, die lieben Mitreisenden haben tatsächlich eine Flug gefunden der uns noch am gleichen Tag nach München bringen konnte. Dieser Flug war auf den deutschen Reiseportalen nicht aufgeführt sondern nur auf den spanischen.
Fast wären wir noch rechtzeitig am Madrider Flughafen angekommen um unseren ursprünglich gebuchten Flieger nach München abheben sehen zu können.
Im Flughafengebäude von Madrid fühlten wir uns gleich wohl, war hier doch alles so wie am Morgen in Oviedo, nur der Größe des Flughafens entsprechend.
Mit Ellbogen und gutem Gehör ausgestattet habe ich es tatsächlich durch die keifende Masse südamerikanischer Reisenden zu einem Container geschafft um dort unser Tickets zu kaufen, natürlich mit Aufpreis.
Kaum hatte ich die Tickets in der Hand, mussten wir Kilometer um Kilometer im Terminal rennen um unseren Flieger, der für heute auch der letzte war, rechtzeitig besteigen zu können.
Hierbei zeigte sich bei Maria Paz, sie mit entsprechender Routine ausgestattet, wie gut sich High Hells zum rennen eignen. Aber was soll‘s, ob man nun als Vorletzte oder Letzte das Flugzeug besteigt…. Wir waren die Letzten.
Bei holprigen Flugstraßen und kräftigen Rückenwind haben wir dann München in der Nacht erreicht.

Ursprünglich sollte die Reise 360 Euronen kosten, jetzt hat sie 560 Euros gekostet,
die Busfahrt und die Bocadillos inbegriffen.
Ein gutes, nein ein sehr gutes Geschäft für Iberia!
Natürlich wollte ich nicht die Iberia alimentieren und habe mir ein Inkassounternehmen gesucht, welches sich auf Geldforderungen gegenüber Fluggesellschaften spezialisiert hat. Dies ohne Erfolg da der Flug wegen einer Höheren Gewalt ausfallen musste. Das allerdings die Fluggesellschaft an diese „Höhere Gewalt“ kräftig verdienen und dafür arme Rentner ausnehmen dürfen, das passt nicht in meinem Kopf.