2012

weihnachtsbild_2012Jahresrückblick 2012

das Jahr geht bald zur Neige. Grund für einen kleinen Rückblick auf das Jahr zwanzigzwölf und was dieses für Maria Paz und mich an erwähnenswertem gebracht hat.
Als bekannt darf ich voraussetzen, dass wir unser Lebensmittelpunkt gezwungenermaßen in Asturien haben. Dies soll und wird nicht für immer und ewig sein. Die Welt bietet außer Bayern und Asturien noch weitere schöne und sehenswerte Ecken.
Bis wir diese aufsuchen dürfen, steht die Pflege von Maria Paz Mutter für uns im Vordergrund.
Ihre Mutter bedarf eine allumfassende Betreuung. Die Demenz beeinträchtigt nicht nur die
Koordination der Beine und der Hände sondern auch das Groß- und die diversen Kleinhirne.
Es ist schon erstaunlich, wie Ihre Gemütslage innerhalb von 1/100 Sekunde von herzzerreißendem Weinen in einem Schwall von Schimpfwörtern wechseln kann.
Ihr Unterhaltungswert in der Nacht ist auch ganz beachtlich. Wenn morgens um drei Uhr vor
unserem Haus mit großem Getöse der Müllcontainer geleert wird, ist das nichts gegen die lauten virtuellen Telefonate die sie, um diese Zeit, mit längst verstorbenen führt.
Dennoch gibt sie uns mehr Freude und Spaß als manche geistig gesunde Person.
Diese „freiwillige“ Pflegepflicht wurde uns mit gutem Wetter und vielen Freiluftaktivitäten belohnt.
Wir hatten immer etwas zu tun.
Da der Vater von Maria Paz im September unerwartet verstorben ist, können wir nun auf unserem Grund und im Haus schalten und walten wie wir wollen.
Der Vater hat mit seinen 92 Jahren noch alles selbst gemacht und lies sich nur ungerne in seine Arbeit rein reden.
Bis zu unserem Zuzug im November 2011 hat er den gesamten Haushalt (Einkaufen, Kochen,
Waschen, Putzen, Betreuung seiner Frau) geschmissen und das große Grundstück mit Nutzgarten bearbeitet.
Wenn auch nicht alles dem teutonischem Auge gefiel, aber er hat große Fußstapfen hinterlassen die ich, so gut ich kann, auszufüllen versuche.
Einige sichtbare Veränderungen sind bereits gegeben.
Als erstes habe ich die Ställe vom 100 jährigen Staub und Spinnweben gereinigt.
Jetzt kommt sogar Tageslicht zu den Hühnern.
Die Hühner sind, neben Sultan, unser ein und alles. Sie heißen Reli und Lili. Eigentlich sollten sie Redi und Lidi heißen, aber Maria Paz hat mich nicht richtig verstanden. Redi steht für „rechts die“ und Lidi für „links die“.Ursprünglich hatten wir drei, die Mili (Midi). Sie wollte partu keine Eier legen. War ihr Pech.
Auf Veranlassung von Maria Paz hat der Schwiegervater von Astrid sie um einen Kopf kürzer gemacht.
Und siehe da, in ihrem Bauch waren eine Menge Eier. Mili war noch so was wie ein Küken.
Was der einen ihr Pech ist der anderen, hier Reli, ihr Glück. Reli ist die Grande Dame des Stalls.
Sultan ist unser belgischer Schäferhund. Er ist wohl der einzige rassereine Schäferhund mit
Schlappohren. Jedenfalls wurde er dem Schwiegervater als rasserein vom Tierheim überlassen. Er ist soooo süß und soooo lieb. In diesem Jahr hat seine Versicherung knapp 5 TEuro blechen müssen, weil er ein Problem mit kläffenden Kleinhunden und deren Frauchen hatte (hat) – nicht nur er, ich auch. Jetzt liegt er an der Kette und muss mit mir und mit Maulkorb Gassi gehen.
Der Hund ist aus der Art geschlagen, jedenfalls ist er kein Schiffer. Nur mit sanfter Gewalt bekomme ich ihn ins Auto und dann flämmt er die ganze Fahrt über. Jetzt ist er schon so weit, dass er, wenn er das Auto sieht, sich flugs in seine Hütte verdrückt die er sonst nie aufsucht.
Seit 2010 versuche ich mich als Imker. Da passt es ganz gut, dass ich eine Bienengiftallergie habe.
Im Mai begann ich mit einer Hyposensibiliesierung damit ich nicht tot umfalle, wenn meine oder fremde Bienen ihre stechende Zuneigung zu mir beweisen wollen.
Nach einem stationären Aufenthalt im Mai bekomme ich nun für die nächsten drei bis fünf Jahre alle sechs Wochen Bienengift injiziert.
Leider wurden meine drei Völker im Juni von Fremdbienen überfallen und getötet. Wir sind alle sehr traurig darüber, weil es schon Ritual war mehrmals am Tag nach den Bienen zu sehen.
Mein Imkerpaten hatte das gleiche Pech, somit werde ich von ihm kein neues Volk bekommen können.
Mal sehen wie ich im Frühjahr Bienen überreden kann in meine Stöcke einzuziehen.
Bevor ich keine habe kaufe ich welche.
Die Bienen haben uns als Nachlass jede Menge Kiwis und Feigen gelassen.
Nun wissen wir nicht wohin damit.Seit einer Woche kenne ich die Grenzen meiner technischen Kompetenz.
Denn ich habe unsere Eierlegende-Woll-Milch-Fleischsau wieder in Betrieb genommen.
Es ist ein Sturm S5U Einachser aus dem Jahr 1966.
Vor einigen Tagen habe ich einen Hilferuf nach Betriebsanleitungen ins Netz gestellt. Es war beeindruckend wie hilfsbereit die Leute sind, wenn es um
Maschinen aus der Steinzeit geht. Keine Arbeit ist denen zu viel.


Natürlich fröne ich noch meinem Hobby, dem Radfahren.
Hierfür habe ich sogar mein fast dreißig Jahre altes Rennrad wieder aktiviert. Nun bezwinge ich die Berge, neben meinem neuen super, super, super Mountainbike,
mit einem Oldtimer-Rad aus Stahlrohren,
Rahmenschaltung und 12 Gängen (Standard sind 16 bis 30 Gänge, je nach Portemonnaie und Radart).
Es tut meinem Ego soooo gut. Heute komme ich mit dem alten Rostesel ohne Probleme Berge hoch, die ich vor
Dreißigjahren nur schiebender Weise bezwingen konnte.
Neben dem Radfahren ist das Jagen noch meine große Leidenschaft.
Ich jage nach Mäusen. Im Moment habe ich aber kein Glück mehr.
Wahrscheinlich habe ich die Viecher temporär ausgerottet. Kein Wunder, nach 35 Mäusen in 10 Tagen, danach habe ich mit dem Zählen aufgehört. Die Mäuse haben sich bei Reli und Lili wohl gefühlt.
Kennt Ihr die Szene aus Ratatouille (Disney-Film) in der die Mäuse sich in der Speisekammer den Bauch vollgeschlagen haben? Genau so, ja genau so, sah es abends bei den Hühnern aus. Man sollte wissen, dass die Wohnräume, Ställe und Heuschober unter einem Dach sind, somit die Mäuse intensiv an unserer Wohngemeinschaft teilhaben.
Sicher sind einige Mäuse aus Gründen des Überlebenswillens in unserem Gemüsegarten
ausgewandert. Jedenfalls erntet Maria Paz immer wieder Gemüse, bei denen die Wurzeln oder die Knollen abgefressen sind.
Hilfe bei der Mäusejagd haben wir durch eine wunderschöne schwarze Wildkatze.
Ursprünglich hatten wir zwei Wildkatzen, aber eine hat sich an meinen Mäusen überfressen und dann das Zeitliche gesegnet. Auf Vorschlag von Maria Paz habe ich diese auf dem Scheiterhaufen eingeäschert, äh, versucht einzuäschern. Damit die Katze auf ihrem Weg in die ewigen Jagdgründe nicht hungert habe ich ihr noch drei Mäuse als Proviant mit gegeben.
Die Mäuse waren weg, aber nicht die Katze. Die konnte nach dem Feuerinferno mit einem blutigen Steak konkurrieren.
Mir blieb also nichts anderes über als sie artgerecht zu entsorgen. Na ja so in etwa, jedenfalls hat sie die von mir berechnetet Flugbahn eingehalten.

Während Maria Paz liebevoll mit ihren Blumen spricht, arbeite ich im Garten. Zurzeit verpasse ich den Bäumen eine neue Frisur. Das ist nicht wenig Arbeit, wenn man bedenkt, dass sich hier so ungefähr 100 Bäume und Büsche breit und hoch machen. Natürlich frisiere ich nicht alle Bäume, ich brauche auch noch nächstes Jahr Arbeit.
Ansonsten ist hier viel, nein alles zu reparieren. Ich habe einen alten 20 Quadratmeter großen
Hühnerstall zu einer Werkstatt umgebaut. Hier liegt so ziemlich jedes Werkzeug oder Maschine
bereit, die ich für die diversen Reparaturen benötige. Ich habe Werkzeuge von denen ich früher nie dachte sie zu gebrauchen. Kellen zum Mauern und Verputzen, eine Lötlampe um Dachbahnen zu verkleben, Trennschleifer und Vorschlaghammer um nicht erhaltenswerte Bausubstanz abzureißen bevor sie einem auf dem Kopf fällt.
Allerdings, wenn das Haus zusammenfällt – lange kann es nicht mehr dauern – dann nützen mir die tollsten Maschinen und Werkzeuge nichts.

Und was machen die Kinder?
Christian ist neuerdings, neben seinem Job beim Bayrischen Rundfunk, Herausgeber und Verleger des Computerspielemagazins WASD. Dieses Magazin erscheint zwei Mal im Jahr. Die Aktuelle Ausgabe Nr. 2 kann für den lächerlichen Betrag von 15 Euro bzw. zum Freundschaftspreis von 18 Euro bei mir bestellt werden.
Adrian hat im August sein Master Studium als
Mechatroniker erfolgreich beendet. Ab Januar
promoviert er bei SEAT in Barcelona.
Die Forschungsarbeit hat weitgehend mit der
Batteriesteuerung von Elektroautos zu tun. Und zum Schluss darf natürlich nicht das Fest aller Feste
unerwähnt bleiben. Astrid hat ihren Damian am 14. Juli geheiratet. Es war ein berauschendes Fest bis in der Früh um fünf.
Nachdem nun die Beiden ihr JA Wort gegeben haben sind sie nun gefordert. Wann endlich dürfen Maria Paz und ich das Quäken unseres ersten Enkels hören?
Dieses Quäken wird himmlisch sein.
Zwanzigzwölf war, wie alle Jahre seit 1976 (Hochzeit), ein gutes Jahr, auch wenn wir den Abschied von Abuelo zu beklagen haben. Hoffentlich wird 2013 ähnlich gut.