Der Tod meines Vaters Heinrich

Mein Vater war erster Maschinensteiger, das ist so was wie ein Obermeister für die Instandhaltung von Anlagen, auf der Zeche Diergardt in Rheinhausen-Asterlagen (heute zu Duisburg gehörig).
Das die Arbeit in einer Zeche alles andere als Zuckerschlecken war, zeigt sich daran, dass mein Vater drei schwere Unfälle hatte – der Letzte war tödlich.
Beim ersten Unfall wurde er zwischen einer Grubenmaschine (Ein Güterzug im Mini-Format) und einer Wand geklemmt, was elf Knochen nicht gut fanden.
Beim zweiten Unfall hätte ihm ein Stahlseil fast einen Fuß abgetrennt hatte. Jedes mal durfte er sechs Wochen den Krankenschwestern bei der Arbeit zusehen.
Sein Ziel war es mit maximal 54 Jahren in den Ruhestand zu gehen und sich mit Segeln den Tag schön machen. Dieser Wunsch kam nicht von ungefähr denn, die Zeche Diergardt mit ihren Schwestern Zechen Wilhelmine Mevissen und Rumeln sollten und wurden 1967 stillgelegt.
Am 28. Januar 1966 stand mein Vater wartend vor der Gittertür eines Aufzuges in einem Blindschacht um zu einer anderen Sohle zu fahren.
Der fahrende Aufzug löste eine Strebe der Seitenverstrebung des Blindschachtes. Die Strebe fiel in die Tiefe und schlug dabei immer an den gegenüberliegenden Wänden und schließlich durchschlug sie das Gitter der Aufzugtüre und traf den Kopf meines Vaters.
Trotz des Helms erlitt mein Vater schwerste Kopfverletzungen an den er am 29. Januar mit verstarb. Im März wäre er 49 Jahre alt geworden.
Eine Woche später fand die Beisetzung auf dem Friedhof in Rheinhausen-Trompet statt.
An die Tausend Trauergäste, vielleicht auch mehr, nahmen an der Beisetzung teil. Der Knappen-Musikzug intonierte das Steigerlied. Ich war damals noch keine 17 Jahre alt.
Meine Mutter trauerte noch 30 Jahre lang intensiv um ihren Heinrich.

Anmerkungen:

  • Ein Aufzug in einem Blindschacht verbindet Untertage mehrere Etagen, den sogenannten Sohlen, ohne das der Aufzug bis „Übertage“ reicht.
    Über die Sohlen erreicht man die kohlehaltigen Flöze für den Abbau.
  •  (siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Diergardt).
  •  Im Jahr 2018 wurde die letzte Zeche von ehemals 3200 im Ruhrgebiet geschlossen.