2013

weihnachtsbild_2013
Jahresrückblick 2013

Maria Paz und mir bekam das Eremitenleben hier in Spanien in 2013 ganz gut. Es war sehr erholsam, da dieses Leben jegliche Überraschungen entbehrte, man könnte auch sagen es war langweilig.
Ursprünglich dachten wir, dass wir die große Welt von Harsewinkel bis Timbuktu nur mit grauen Star und Hüftprothese bereisen können.
Doch die liebe Schwiegermutter hatte ein Einsehen mit uns. Sie hat in der ersten Stunde des 21. Novembers ihren eigenen Tod verschlafen.
Zum ersten Mal in unserem Leben sind Maria Paz und ich nicht durch Eltern, Kinder, Lehrer und Vorgesetzte sondern nur noch durch Geldmangel fremdbestimmt.
Wir können nun machen und lassen was wir wollen, wenn Maria Paz nur wüsste, und damit zwangsläufig auch ich, was sie will.
Meine bereits im letzten Jahr erworbenen Fachkenntnisse als Hühnerstallsanierer habe ich jetzt auch auf Natursteinmauerwerk, Platten-Pflasterei sowie auf Gebäudeabrisse und Kanalreinigung ausgedehnt.
Ein akuter Mangel an Engel im Himmel brachten mich auch dazu als Bestatter meine Lorbeeren zu verdienen.
Als erster Engel kam im Juni unser Belgischer-Schlappohr-Schäferhund in den Genuss meiner Bestattungsfähigkeiten.
Für ihn habe ich eine schöne ruhige Ecke ausgesucht – mittlerweile wurde diese schönste aller Begräbnisstellen von Unmengen an Bauschutt überdeckt. Der Größe von Sultan entsprechend, habe ein Loch gegraben, von dem Maria Paz meinte, dass ich die Direttissima nach Australien schaufele.
Jedenfalls war das Loch so tief, dass ein Rauskommen aus Demselben mir so ohne weiteres nicht mehr möglich war.
Letztlich war das Loch in seinen Abmessungen so groß, dass es für zwanzig Belgische-Schlappohr-Schäferhunde als ewige Ruhestätte gereicht hätte.

Als zweiter Engel kam unser Huhn Reli in den Genuss meiner Beerdigungskünste. Reli (bitte nicht mit unsere allerliebste Lili verwechseln) war schon immer etwas gemein. Ich gehe jede Wette ein, Reli hat, nur um mich zu ärgern, bewusst im trockenen Monat August ihren letzten Gackerer getan.
Mit viel Schweiß habe ich am Kopfende von Sultans letzter Ruhestätte ein 20 cm Tiefes Loch in dem knochenharten Boden gegraben. Wenn nicht der Schutt wäre, man könnte heute sehen wie der Wind mit Relis goldbraune Federn spielt.
Ärgerlich ist, dass Maria Paz mir nicht rechtzeitig sagte, ich solle das Loch für Reli direkt über dem Grab von Sultan schaufeln, denn hier wäre der Boden noch locker und Sultan liegt sowieso näher bei Australien als an Asturien.
Schwamm drüber.

Zwei Jahre Landleben färben auch bei mir ab, denn jetzt bin ich auch Agrarier (Agrarier = akademisch für Bauer).
Gute bis sehr gute Erfolge habe ich als Landwirt i. A (in Ausbildung) bereits erzielt. So zum Beispiel bei den Zwiebeln.
Von 26 Zwiebeln-Knollen haben sich immerhin drei zu Zwiebeln entwickelt, wenn auch ein wenig spierig (Niederrheinisch für dünn, mager). Aber essen konnte man sie.
Nebenbei bemerkt, der Schwiegervater von Astrid hatte parallel zu mir ebenfalls 26 Zwiebeln-Knollen auf meinem Grund zur selben Zeit gesetzt.
… da sieht man wie ungerecht sich das Glück verteilt.

Pompös sind meine Kiwis gewachsen. Solche gesunde, kräftige, grüne und große Blätter hatten die Kiwis noch nie gehabt.
Beachtlich auch mein Ernteerfolg, eine große Obstkiste gestrichen voll.
Die letzte Ernte meines Schwiegervaters betrug zwar 12 Kisten, dafür waren aber die Blätter lange nicht so prächtig.

So langsam ändert sich das Grundstück entsprechend meinen Vorstellungen.
Alles wird ordentlich und quadratisch. Nur der Maulwurf – dazu später – und das Unkraut stören mein Bild vom perfekten Garten. Das Unkraut werde ich mir Roundup (so was wie Agent Orange, was die Amis im Vietnam-Krieg zur Entlaubung eingesetzt haben) im Griff bekommen.
Bei einem Großversuchen hat sich das Mittel als äußerst effektiv erwiesen. Das Unkraut wurde bis auf einen orangenen braunen Rest entfernt. Jetzt im Herbst zeigt sich wieder das üppige Grün des Unkrauts, allerdings ohne Gras drumherum.
Passend zu meinem Anspruch an Gärten haben wir im Oktober rund 1000 m² Wiesenfläche ebnen und mit Rasen versehen lassen.
Leider gefällt dies einem oder mehrere Maulwürfe nicht. Jedenfalls bemühen sie sich redlich den alten Zustand wiederherzustellen.
Nach Anfangserfolgen bei der Jagd nach den Maulwürfen, eines ging in die ewigen Jagdgründe, der oder die restlichen liefen zu dem Nachbarn über, sind aber jetzt wieder bei uns – die wissen halt wo es gut ist-.
Nun schlage ich zweimal am Tag mit einer Maulwurffalle die Erde tot. Weil, blöd sind sie nicht, sie immer einen Haufen Erde vor sich her schieben, welche die Falle auslöst.

Nachdem Reli in den Hühnerhimmel geflattert ist, haben wir für Lili eine neue Spielkameradin besorgt. Sie hört auf den originellen Namen Lilo.
Leider benimmt sich das bescheuerte Tier wie ein richtiges Huhn.
Beide Hühner sind sprachlich sehr gebildet. Sie verstehen deutsch. Somit sind sie, neben Maria Paz, die einzigen Lebewesen mit denen ich hier in meiner Muttersprache komunizieren kann.
Täglich, außer Sonntags, lerne ich mindestens eine Stunde Spanisch.
Aber was nützen einem die besten spanischen Sprachkenntnisse, wenn man es mit sprach- ungebildeten Iberern zu tun hat.
Gott sei Dank gibt es hier auch einige gebildete Menschen die ich mit meine gehobenen spanischen Aussprache und meinem spanischen Wortschatz nicht gänzlich überfordere.
Wobei ich festgestellt habe, meine Spanischkenntnisse nehmen proportional mit der Intelligenz meines Gegenübers zu.

Und was macht Maria Paz?
Nicht viel! Sie hat aufopferungsvoll mich bei der Pflege ihrer Mutter attestiert und da ie Zeit hat,
bäckt sie alle vier Tage für mich einen Kuchen.
Nebenher züchtet sie Unmengen von Blumen und läuft jeden Samstag in die Kirche; d.h. das tat sie.
Zur Zeit geht sie nicht mehr in die Kirche weil sie den lieben Gott dafür bestraft, dass er den untalentierten, unsympathischen Vettel zum F1- Weltmeister gemacht hat, statt den Fernando Alonso, der doch der viel bessere Fahrer und der Traummann schlechthin ist; halt ein Asturiano.
Wobei gut Fahren können und gleichzeitig Spanier/-in sein, eigentlich der Quadratur des Kreises gleich kommt.
So, das waren die erwähnenswerten Erlebnisse in 2013 von Maria Paz und mir.
Wir wünschen alle ein schönes Weihnachtsfest und ein sorgenfreies und gesundes 2014.

Maria Paz und Helmut