Meine Rippenbrüche

Es muss so im September 2007 gewesen sein. Mit meinem Mountainbike fuhr ich vom Ammersee kommend durch die Maisinger Schlucht hoch zum Kloster Andechs.
Oben angekommen ging es über einen leicht abfallenden Weg westlich der Klostermauer entlang. Der Weg war gerade frisch mit neuem Splitt belegt.
Das Gefälle habe ich genutzt um mir freihändig Nahrung zuzuführen, das heißt meine Hände waren dem Mund näher als dem Lenker.
Dummerweise war der Weg linksseitig bewaldet. Unter dem Splitt querten die Wurzeln der Bäume den Weg und waren für mich nicht sichtbar.
Da mein Lenker alle Freiheiten hatte, machte dieser, als er innigen Kontakt mit einer Wurzel bekam, einen plötzlichen 90 Grad Schlenker welcher mein Körper ignorierte und weiter die gerade Richtung bevorzugte.
Ich krachte auf den Lenker, danach schlitterte ich über den Splitt. Sofort war mir klar, dass ich eine schöne Beerdigung bekommen werde.
Als mir langsam dämmerte, dass es mit der Beerdigung nichts wird, habe ich um Hilfe gerufen.
Ich wurde erhört. Eine ältere Dame kam zu mir. Sie war aber mit der Situation total überfordert.
Immerhin, mit der Zeit in dem ich die Dame vor einen Infarkt schützen musste, bekam ich wieder Kontrolle über mein Astralkörper.
Meine Vorort Diagnose lautete, alle Finger der rechten Hand gebrochen, davon der Daumen mindestens zehn mal. Einen Brustkorb gab es nicht mehr und die Lungen waren von der gesplitterten Rippen perforiert. Auch lag meine Haut zu 99 Prozent auf dem Splitt.
Da die Dame mir nicht helfen konnte habe ich mich trotz der schwere meiner Verletzungen aufs Rad gesetzt und bin ca. 20 Kilometer zu meinen auf mich wartenden PKW gefahren.
Hierzu habe ich den gleichen Weg genommen wie auf der Herfahrt, also über Wald- und Feldwege, mit den rechten Hand, die mit den kaputten Fingern, am Lenker. Mit der Linken habe ich versucht meinen Brustkorb irgendwie zusammen zu halten.
Am Auto angekommen musste ich einhändig mein Rad demontiert und im Kofferraum verstauen, was höhere Ingenieurskunst bedurfte.
Da ich mein Auto mit der Rechten nicht schalten konnte erfolgte die Fahrt nach Hause im zweiten Gang. Zu Hause angekommen, Maria Paz war unterwegs, habe ich mich in der Dusche soweit wie mir möglich von Blut und Splitt gesäubert. Mit einem Rest von Splitt in der Haut bin ich zur Notaufnahme eines Krankenhauses gefahren, natürlich im zweiten Gang.
Hier haben sie mich umgehend geröntgt.
Die ärztliche Diagnose lautete:
– die Finger der rechten Hand sind nicht gebrochen sondern nur gestaucht, was auch höllisch weh tut.
– die Lungen sind nicht perforiert.
– drei Rippen sind gebrochen, zwei weitere möglicherweise auch.
Da es den Ärzten egal war ob ich nun drei oder fünf gebrochen Rippen hatte, haben sie auf eine CT-Untersuchung verzichtet.
Mit einer Krankschreibung für sechs Wochen haben sie mich dann wieder nach Hause geschickt.
Von wegen stationär oder Korsett wie es heutzutage üblich scheint, nichts. N‘ Paar Pillen gegen die Schmerzen haben sie mir gegeben.
Die Pillen waren aber gut, denn tags drauf bin ich mit einem Leipziger Kollegen zum Oktoberfest.
O.K. ich habe gelitten, konnte wegen der Schmerzen nicht lachen.
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