11. bis 26. Februar 2020

Indienreise

Wegen des Coronaviruses wurde heute den 16. März von der spanischen Regierung der Notstand ausgerufen. Nun muss ich von Amtswegen in den vier Wänden bleiben. Auf die Straßen dürfen nur Personen die für das Gemeinwesen wichtig sind, so zum Beispiel Müllmänner und Müllfrauen.
Apropos Müll, da fällt mir doch, welch ein Zufall, unsere Indien Reise ein.
Der Flug ging um die Mittagszeit von München los und acht Stunden später waren wir pünktlich zum Frühstück in Delhi.
Danach ging es auf Stadtrundfahrt. Viel Sehenswertes bietet Delhi nicht. Trotz der 18 Millionen Einwohner macht die Stadt ein provinziellen Eindruck. Neben dem unbeschreiblichen Dreck bleiben mir die Slums und die unzähligen Obdachlosen in Erinnerung. Einige Obdachlose hausen mitten im Verkehr auf eine Kreisverkehrsinsel und schnuppern den dicksten Smog.
Eigentlich haben die Inder ein Plastik- aber kein Müllproblem. Die unzähligen Kühe fressen den allerorts auf den Straßen hinterlassenen Biomüll wie Küchenabfälle, Papier und Kartonagen und wandeln diese in Methan und Brennstoff für die Öfen um. Zurück bleibt nur das Plastik welches, neben den häufigen offenen Abwasserkanalisationen, die Straßenränder verschönert.

Zu den Obdachlosen meint unser Reiseleiter Yogi, dies seien nur Leute aus Bangladesch, Pakistan usw. aber keine Inder. Na ja, wer’s glaubt wird selig. Auch würden die Slumbewohner von der Regierung für ihre Fernseher die in jeder Hütte stehen und für ihre Smartphones kostenlos mit Strom versorgt. Wie karitativ doch Indien ist!
Wenn man die Armut gesehen hat, dann wird man sehr ehrfürchtig vor dem Glück das uns mit Europa gegeben ist.

Von Delhi fuhren wir in das nur 290 KM entfernte Nawalgarh. Die Reise bot genügend Zeit, nämlich über neun Stunden, darüber Nachzudenken worauf man sich mit diesem Trip eingelassen hat.
Das Hotel in Nawalgarh, nur vegetarisches Essen, von außen Hui und von innen Pfui, was die Mal-und Renovierungsarbeiten anbelangt. Zur indischen Folklore gehört wohl, dass im Bad Plastiktüten mit benutzten Babywindeln für die nächsten Gäste aufbewahrt wurden. Sonst war aber das Hotel okay.
Die Ortschaft wegen der offenen Kanalisation stinkend.
Gott sei Dank, nach Verlassen von Nawalgarh haben sich alle gehegten Befürchtungen in Bezug auf den weiteren Reiseverlauf nicht bewahrheitet.
Bis auf dem am Rand abgelegten Plastikmüll und den Kühen auf den Fahrbahnen entsprachen die Highways weitgehend europäischen Verhältnissen und waren somit auch befahrbar.
Aber wehe man bog von den Highway auf eine Nebenstraße ab. Kein Wunder, dass europäische LKW/Bus Hersteller den indischen Markt meiden. Ihre Produkte würden sich auf diesen Straßen in tausende von Einzelteilen zerlegen.
Alle Hotels, bis aufs erste, waren vom aller feinsten. Häufig waren dies Herimitagen, also umgebaute Paläste von irgendwelchen Maharadschas. Zum Essen gab es immer eine ausreichende Auswahl, obwohl Rind- und Schweinefleisch nicht zum Speiseplan der Inder gehören.

Indien ist groß, sehr groß sogar und wird von eins Komma drei Milliarden Menschen bevölkert. Mit unsere 2900 KM langen Rundreise, hauptsächlich Rajasthan, haben wir etwa die Größe der Bundesrepublik durchquert.
Laut Yogi ist Indien fast ganz eben und besteht meistens aus einer Halbwüste. So richtige Wälder mit Kiefern, Tannen oder Laubbäumen gibt es nicht viele. Lediglich die Küsten weisen einen starken Baumwuchs auf.
Damit wir in etwa einen Eindruck vom Himalaya und den Wäldern Indiens bekommen, sind wir mit einem, ich sage mal, antiken Zug, der mehr Dieselqualm ausstieß als alle Rheinschiffe zusammen, über den Aravalligebiergszug gedampft. Immerhin erreichen einigen Gipfeln diese Gebirgszuges die tausend Meter, wenn sie noch was wachsen täten. Es war eine schöne Reise und durch die unzähligen Affen die den dampfenden und röchelnden Zug begleiteten auch ein Erlebnis.
Ein Erlebnis war auch unser abendlicher Ausritt durch eine Wüste auf dem Rücken von Kamelen. Noch heute spüre ich die Schmerzen in meinen Oberschenkeln und meine Beine sind bestimmt und sicher um fünf Zentimeter länger geworden. Von wegen Komfortsitze und so auf‘n Kamel.
Wer Kamel sagt muss auch Elefant sagen. Somit habe ich einen Ritt auf diesen Kolossen gewagt. Die indischen Elefanten haben zwar kleinere Ohren sind aber wesentlich größer als ihre afrikanischen Artgenossen. Ich weiß nicht wieso man zu einem Kamel auch Wüstenschiff sagt, mein Eindruck war, ein Elefant schaukelt um einiges mehr. Mit den Elefantenritt ging es rauf auf den Amber Fort in Jaipur.
Wie viele meist von den Musulmanen erbauten Sehenswürdigkeiten, war das Fort zwar einen Besuch wert aber nichts besonderes. Es fehlten halt die bunten Teppiche und Tücher von früher vor den Türen und Fenstern, so schaute man allerorts in rechteckige dunkle Löcher. Nur mit einer ausgeprägten Fantasie konnte man die sicher mal sehenswerten und bunten Bemalungen im Inneren der Forts sehen und bewundern.

Ohne die schönen und bunten Saris der indischen Frauen wären die von uns besuchten Städte nur halb so farbenfroh. Die Kerle, oft palavernd und rauchend am Straßenrand sitzend, trugen meist langweilige westliche Kleidung. Enttäuschend für mich als Mann, waren die voll verschleierten jungen und sicher auch hübschen Frauen, man sah noch nicht einmal deren Augen. Ohne Schleier liefen nur Frauen rum (laut Yogi sind dies ausnahmslos Schwiegermütter) auf deren Angesicht ich hätte verzichten können.
Herausragend waren das Jaisalmer Fort aus dem 10 Jahrtausend (Weltkulturerbe). Hier hätten wir gerne noch viiiel länger den hupenden Zweirädern und dem an jeder Ecke intonierten „Bruder Jakob Kanon (Frère Jacques)“ gelauscht. Nein im Ernst, diese Stadt ist besonders, schön und ein Muss (auch ohne bunte Saris). Und ein Muss ist natürlich das Taj Mahal in Agra.
Es gibt sogar Leute die fliegen für zwei Tage nach Indien nur um das Taj Mahal zu besuchen, so zum Beispiel ein amerikanischer Präsidenten namens Trampel oder so.
Durch diesen Besuch wurde leider die Besichtigung unseres Reise Highlights, das Taj Mahal, negativ beeinflusst.
Nicht nur das wir in unserem Hotel eingeschlossen wurden, so richtig hinter Schloss und Riegel, weil der Herr meinte mit seiner Encourage genau an diesem vorbeirauschen zu müssen, nein auch unseren Zeitplan hat der Kerl durcheinander gebracht. Am Tag unsere Abreise mussten wir bereits um sechs Uhr aufstehen, damit wir uns um sieben Uhr in die Schlange vor dem Eintritt in das Taj Mahal einreihen konnten. Immerhin es waren zu diesem Zeitpunkt weniger Menschen dort als zum Beispiel um elf. Leider hat uns der Herr aus Washington einen „großartigen“ diesigen Tag hinterlassen, ohne ihn hatten wir immer tolles Wetter.
Auch das Taj Mahal wurde von den Mauren erbaut und nicht von den Indern. Was meinen Eindruck bestärkte, dass männliche Inder nur zum Hupen nicht zu faul sind.

zum Bilderalbum „Indien“