28. Oktober 2019

Gott sei dank, es ist noch einmal gut gegangen

Astrid mit Mann und Mäuschen waren im August bei uns in Asturien.
Eines Tages fragt Astrid.“Mama was hast Du da am Hals?“ Und tatsächlich Maria Paz hatte einen dicken Hals und ich war mal nicht der Grund dafür.
Kurz darauf ging sie zum örtlichen Gesundheitsdienst. Die Ärztin dort tippte auf eine Zyste und empfahl uns zur genaueren Untersuchung der Schwellung die Heimreise.

Eine Zyste ist etwas, was keiner braucht. Es ist ein Ding wie ein Blinddarm nur eben am Hals. So was hat jeder Mensch, nur im Normalfall verschließt sich diese im frühen Lebensstadium und Ruhe ist. Bei Maria Paz verschloss sich diese Zyste nicht und füllte sich peu a peu mit Sekreten die sich dann auch noch verdickten. So wuchs diese vom Hals nahe der Aorta bis zum Herzen.
Durch den Wuchs und der schon vorhandene Größe, hatte Maria Paz die Optionen durch Blutvergiftung, Erstickung oder Hirnschlag zu sterben – wer kann von sich behaupten für sein Ableben solche eine Auswahl zu haben – oder sich operieren zu lassen.

Wir fuhren nach Hause. Hier lief sie vier Wochen zwischen Haus-, HNO-Arzt und CT/MRT-Untersuchungen hin und her. Als die bereits oben erklärte Diagnostik vorlag war die OP angesagt.
Das Krankenhaus Pasing lehnte die OP, da hierfür nicht ausreichend ausgestattet, ab und überwies sie an das Universitätsklinikum Großhadern. Das Klinikum hat mit den besten Ruf und ist mit seinen 2000 Betten eines der größten in Deutschland. Leider ist es etwas in die Jahre gekommen, was bedingt, dass die Emire*innen, wollten sie hier ihre Petrodollars für ein neues Herz ausgeben, an einem Kulturschock erliegen. Allerdings, oder auch Gott sei Dank, gibt es keine kausale Beziehung zwischen eine alten Baustruktur zu ärztliche Kunst und moderne Diagnose- und Operationsgerätschaften.
Auf den 10 Oktober wurde der Termin für die OP angesetzt. Bereits am 7. musste Maria Paz mit ihrem Köfferchen auf die Station für Herzchirurgie erscheinen. Hier wurde sie drei Tage lang auf „Herz und Hals“ untersucht. Mehrere Meetings der Ärzte wie nun das Skalpell anzusetzen sei, Brustkorb aufsäbeln oder Herausfischen der Zyste vom Hals her, haben sich in letzter Instanz die Herren Chefärzte für das öffnen des Brustbogens entschieden. Da diese OP interdisziplinär durchzuführen war, wurde ein neuer Termin mit dem 28. Oktober festgesetzt.
Meine Vermutung ist, dass die Verschiebung der OP deshalb erfolgte, weil es ein Gerangel zwischen Herz und Hals um das Schürfrecht gab, bei dem der Hals siegreich blieb.
So durfte Maria Paz am 27. Oktober 19:00 Uhr mit ihrem Köfferchen auf die HNO-Station erscheinen.
Am 28. Oktober schnibbelten beide Chefärzte, der Hals und der Herz, an Maria Paz herum. Sie hat davon nichts, aber

auch gar nichts mitbekommen, da sie von 8:00 morgens bis 16:00 nachmittags einen friedlich Narkoseschlaf schlief. In den darauffolgenden 16 Stunden in der Intensiv konnte sie dann kein Auge mehr zumachen – was meine schlaflose Nacht auch nicht besser machte.
Am 29. morgens durfte ich erstaunt feststellen, dass Maria Paz die OP sehr gut überstanden hatte. Sie aß und lief durch das Zimmer und hatte nur geringe Schmerzen. Mir fiel ein riesengroßer Stein vom Herzen!
Nur ihre Stimme hat durch die OP gelitten. Die Ärzte mussten für den Eingriff die Stimmbänder zur Seite biegen, hierbei hat eines so gelitten das dieses nun seinen Dienst verweigert – ein bekanntes Operationsrisiko.
Sie erfreut sich jetzt einer rauhen, heiseren Fistelstimme, welche sie für eine Rocksängerin in einer Rentnerband qualifiziert.
Gut für mich, sie kann mich nicht mehr laut schimpfen.