22. Februar bis 3. März 2019

China

Im Vergleich zu China ist Europa ein mickriger Erdteil. Die sechs größten Städte Chinas haben etwa soviel Einwohner wie Deutschland (Shanghai 24 Mio., Peking 22 Mio., Guangzhou 11 Mio., Shenzhen 11Mio., Hongkong und Chongqing je 7 Mio.).
Folglich ist dort alles, in aller Bescheidenheit gesagt, gigantisch.
Wohnsilos mit mehr als 5000 Bewohnern eher eine Normalität als eine Ausnahme.
Was die vielen Bürotürme anbelangt ist Peking sehr zurückhaltend, die meisten sind unter 200 Meter hoch. In Shanghai fängt man unter 200 Meter
n erst gar nicht an zu bauen.
Sehr beeindruckend, wie schnell sich China seit Ende der Kulturrevolution modernisiert hat. Dazu beigetragen hat das politische System, ein kommunistischer Kapitalismus. Hier interessiert nicht das Wohl des einzelnen sondern nur die Interessen der Mehrheit.

PEKING
Innerhalb von 40 Jahren hat Peking ein U-Bahnnetz von mehr als 600 KM Länge gebaut.
Die teuersten BMW‘s, Mercedese, Audi‘s und, als Platzhirsch, VW‘s füllen die Straßen. Von den Designer-Klamotten tragenden Schönheiten will ich hier erst gar nicht schreiben. Da bleibt dem gemeinen Europäer nur noch der Neid.
Aber auch sehr, sehr viele zum Teil kurios anmutende Zwei- und Dreiräder prägen das Straßenbild. Alle werden mit Batteriestro
m angetrieben. Dem immerwährenden Smog kümmert es nicht. Für die E-Mobile gibt es auf allen größeren Straßen separater Fahrspuren, so können diese die ewigen Staus umfahren.
Sehr auffällig die totale Video-Überwachung des Verkehrs. Alle 50 Meter hängen mindestens zwei Kameras. Besonders viele Kameras sind auf dem „Tian’anmen-Platz,“ auch „Platz des Himmlischen Friedens“ genannt, zu bewundern, nur den zu überwachenden Verkehr den sucht man hier vergebens. Ein Schelm der Böses dabei denkt.
Am „Platz des himmlischen Friedens“ gelegen befindet sich,genau gegenüber dem Kaiser-Palast, identisch mit der „verbotene Stadt“, das Mao-Mausoleum. Hier standen fast genauso viele Besucher an, wie am Eingang zur „verbotenen Stadt“. Warum der Mao heute noch verehrt wird, darauf konnte unser Fremdenführer Wang keine plausible Antwort: „Viele Menschen denken nicht rational“, geben.
Unter
dem übergroßen Mao- Bildnis kommt man in die „verbotene Stadt“.
Sie sieht aus, wie man diese aus dem TV kennt, nu
r mit viel, viel mehr Leute.
Schon sehr beeindruckend, also nicht die Leute, sondern die Bauwerke mit den geschwungenen Dächern und den chinesischen Lüftlmalereien.
Als Europäer ist man in China ein Exot. Viele Chinesen vom Land besuchen Peking. Es ist wohl ihre erste Reise außerhalb ihres Dorfes. So war es nicht verwunderlich, dass wir Europäer mit offenen Mündern bestaunt wurden und auch ein gutes Motiv für ein Foto für die Daheimgebliebenen abgaben.
Natürlich haben wir auch die große Mauer besucht. Die Mauer ist gar nicht so groß, sie ist nur sehr lang. Sie ist nicht sehr hoch,
vielleicht 4 Meter, und auch nicht sehr breit, vielleicht 3 Meter. Auch macht sie einen sehr neuen Eindruck, den sie wurde für die Olympia-Touris fein raus geputzt, dabei ging die alte Steinpatina verloren.
Wir haben in Peking noch viel mehr gesehen als nur den Kaiser-Palast und die Mauer. Die Beschreibungen der diversen Tempel, der Sommerresidenz, dem Olympiapark – mehr ein riesiger Platz für Militärparaden als ein Treffpunkt für Sportler – erspare ich mir.
In Peking regnet es ganz selten und wenn, dann nicht ergiebig. Wo der Natur nicht mit Wasser nachgeholfen wird, sieht der Boden schmutzig braun aus.

Shanghai
Was hier zu sehen war, damit habe ich nicht gerechnet. Bei der Erinnerung an Shanghai bei Nacht und Regen, da läuft es mir noch immer kalt dem Rücken runter.
Der erste Ausflug ging in
dieser Nacht an den Bund (Uferpromenade).
Nicht zu fassen, wie bunt und bewegt die Skyline illuminiert war.
Ein Turm schöner als der andere.
Ein
Glitzerspecktakel, ein Farbenspiel folgt dem Anderen. An den kleineren Hochhäusern, also die um die um die 250 bis 300 Meter, sind die Fassaden als eine Art Multimedia-Wand ausgelegt. Unzählige LEDs geben irgendwelche Werbefilmchen zum Besten.
Da waren sogar unsere New York Erfahrenen sprachlos.
Natürlich musste ich mir die Wolkenkratzer auch von oben anschauen. Dafür ging für 28 Euro per Lift rauf auf den Shanghai Tower (632 Meter). Der Shanghai Tower ist zwar nur der zweit höchste Turm der Welt, aber er hat die höchsten Aussichtsplattform (552 Meter).
Wenn man gut bei Spucke ist, kann man von oben dem Shanghaier Fernsehturm auf die Antenne spucken da er nur 468 Meter hoch ist. Neben dem Shanghai Tower tummeln sich noch andere Türmchen, nicht ganz so hoch, aber aus den oberen Fenstern kann man auch bei diesen und mit ein bisschen Glück die Wolken von oben betrachten.
Shanghai, wie auch andere Städte, ist wegen der Landflucht sehr schnell gewachsen.
Dadurch, dass Grund und Boden dem Staat gehör
en, werden rigoros alte Siedlungen, dem Boden gleich gemacht und die Bewohner in ein Wohnsilo zwangsumgesiedelt. Auf dem gewonnen Grund wird ein Wolkenkratzer erstellt oder eine Straße gebaut.
Wobei zur Wahrheit
auch gehört, dass in den alten, nicht erhaltenswerten Siedlungen ein zivilisiertes Leben nicht möglich ist. Eine Familie teilt sich einen Raum von ca. 20 qm und die Toilette mit vielen anderen. Da sind die Silos mit 100 qm Wohnraum und eigenen Toiletten schon ein Fortschritt, und dies bei bezahlbaren Kauf- bzw. Mietpreisen.
Ein kleinen Ausflug zu einem sog. Wasserdorf (100 Ts Einwohner) haben wir auch gemacht. Es war sicher ein staatlich verordneter touristischer Muss-
Besuch. Der Ort war zu perfekt.

Fotos per Whatsapp in die Heimat zu senden oder auch neuste Nachrichten aus der Heimat zu googeln ist in China nicht möglich.
China wollte uns nicht loslassen, so mussten wir einen ganzen Tag und die halbe Nacht (1:20 Uhr Abflug) auf dem Flughafen, natürlich mit dem größten Terminal der Welt – was auch sonst –, die Zeit bis zum Abflug tot schlagen. Nach weiteren 13 Stunden dann hatte uns der Münchner Regen wieder.


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