Jakobsweg/Camino Real de Madrid

Ca. 540 KM, 4900 HM

Angeregt durch den Bericht unter www.jakobus-info.de/compostela/info.htm über den Camino Real de Madrid habe ich im August 2005 diese Pilgertour mit dem Rad unternommen.

Den Beschreibungen und den Tipps auf den oben genannten Link kann ich nur wenig hinzufügen und werde mich hier mehr auf die Spezifika einer Radtour konzentrieren. 

Wie schon erwähnt, habe ich die Radtour im August unternommen.

Sicher nicht der ideale Monat, wenn Temperaturen um die 40 Grad herrschen. Durch die heiße Luft verklebt der Rachenraum und damit auch die Atemwege. Mit viel Wasser kann man dem entgegenwirken. Die Hitze hat mich beim Radeln nicht eingeschränkt.

Vielleicht liegt es an die ungünstigen Zeit, aber ich habe auf der ganzen Reise keine anderen Pilger angetroffen. Auch in den Alberguen blieb ich ein einsamer Pilger.


Dadurch, dass ich unterwegs niemanden getroffen habe, fehlte mir das Feeling, welches ich auf den Camino Francés erlebte. Hier traf ich viele Pilger, die, wie ich, auf dem Weg nach Santiago waren.

Wie wohltuend war Sahagun, hier vereinigt sich der Camino Real mit dem Camino Francés. Endlich wieder viele, vorwiegend junge Pilger auf dem Camino. 

Ärgerlich, um Diebstähle von Devotionalien zu vermeiden, waren alle auf dem Weg liegenden Kirchen verschlossen, somit konnte ich nicht so meditieren wie ich es erwartete. Damit fehlte mir die wichtigste Voraussetzung für eine nachhaltige und spirituelle Pilgertour.

Wer Einsamkeit sucht und ohne sakrales Beiwerk meditieren kann, der ist auf dem Camino Real richtig aufgehoben.

Obwohl der Camino Real de Madrid ein eher unbekannter Jakobsweg ist, ist die Wegekennzeichnung mit gelben Pfeilen und den Jakobsmuscheln überwiegend hervorragend.

In selten Fällen ist auf die innere Eingebung zu achten oder logisches Denken angebracht, dies hauptsächlich in den großen Städten oder in unwägbaren Gebieten.


Als Sicherheitsmassnahme habe ich vor Beginn der Tour, neben den wichtigsten Wegepunkten, den Weg in mein GPS Gerät abgespeichert. Allerdings nicht den Camino, der ist auf meinen digitalisierten Karten nicht erkennbar, sondern die asphaltierten Nebenstrassen.

Es hat sich gezeigt, dass ein GPS nicht Voraussetzung für das begehen oder befahren des Caminos ist. Allerdings erhöht es die Flexibilität wenn man vom eigentlichen Camino auf alternative Asphaltwege ausweichen will oder muss. 

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es genügend auf dem Weg, so auch einige Alberguen für Peregrinos. Eine kleine Übersicht habe ich am Ende dieser Beschreibung gestellt. 

Trinkflaschen nachzufüllen ist fast nirgendwo ein Problem. Der Inhalt zweier großer Trinkflaschen reichten mir im allgemeinen aus; Ausnahme die Etappe nach Segovia, hier waren vier Liter gerade so ausreichend.

Madrid/ Segovia war mit ca. 110 KM als erste Etappe eingeplant

Die Unlust durch die Vororte von Madrid zufahren und der gute Ratschlag meiner Frau veranlassten mich die Pilgertour erst in Colmenar Viejo zu beginnen. Die Fahrt mit den Vorortzug reduzierte somit die erste Etappe auf 71 KM und 1420 HM.

Da ich die gelben Pfeile in Colmenar Viejo nicht gefunden habe musste ich die ca. 30 KM bis Cercedilla auf Asphaltstrassen zurück legen bis ich endlich die begehrten Wegweiser gefunden habe. Vermutlich sind die gelben Pfeile bei Cantos, eine Station vor Colmenar Viejo,  leichter zu finden.  

Entsprechend den Pfeilen ging es immer bergauf durch einen großen und dichten Kiefernwald.

Irgendwann werden die gelben Pfeile durch orangen- und gelbe Punkte, die bestimmte Wanderwege markieren, ersetzt.

Wegen des immer schlechter und steiler werdenden Pfades musste ich zum Pass hin das Rad für ca. 1 Stunden schieben. Kurz vor dem Pass erreichte ich eine römische Straße, von der ich vermute, dass diese ihren Ursprung in Cercedilla hat. Sollte dem so sein so kann auf diese ohne lästige Schieberei den Pass fahrend erreichen. Allerdings verpasst man dann eine der schönsten Streckenabschnitte des Jakobsweges.


Nach dem erreichen des Passes geht es auf der römischen Strasse talabwärts. Zunächst über groben Schotter später auf Asphalt. Bei dem Zusammentreffen von drei Asphaltstrassen, ich glaube hier ist zum ersten mal eine Sicht auf Segovia möglich, geht es querfeldein und direkt auf Segovia zu.

In Anbetracht des anspruchsvollen Streckenprofils war die Entscheidung die Strecke zu kürzen richtig.

Segovia..... traumhaft. 

Segovia/ Coca mit 71 KM/417 HM als zweite Etappe.

Diese Etappe führte über weite Strecken auf Sandpisten. Weil das Rad tief in den Sand einsank musste ich es öfters über eine längere Zeit schieben. Somit empfehle ich ab Santa Maria la Real de Nieva bis Coca Asphaltstrassen zu nutzen.
Nebenher, vier mal den Schlauch flicken ist auch nicht so lustig, da die Reifen den harten Piniennadeln nicht standgehalten haben.

In Coca gibt es die Möglichkeit in der Albergue zu übernachten. Der Schlüssel hierzu ist in der Bar Cauca, die sich unmittelbar hinter dem Rathausportal befindet, hinterlegt. Man sollte hier allerdings die üblichen, bescheidenen Ansprüche an Alberguen vergessen, denn diese ist sehr heruntergekommen.


Coca/ Medina de Rioseco mit 110 KM/ 724 HM als dritte Etappe.

Wegen meinen schlechten Erfahrungen bei der zweiten Etappe, bezüglich der Sandpisten, habe ich mich dazu entschlossen von Coca bis Alcazarán die wenig befahrenen Asphaltstrassen zu nutzen.

Den Umweg über Valladolid habe ich mir erspart. 

Medina de Rioseco über Sahagun bis Reliegos (Camino Francés) mit 105 KM/483 HM als vierte Etappe.

Noch einmal musste ich die von mir gefürchteten Sandpisten bis Moral de la Reina aus dem Wege gehen und Strassen nutzen. Da diese Sandpisten gerade erst angelegt wurden und noch nicht gewalzt waren, gehe ich davon aus, dass diese ab 2006 in einem befahrbaren Zustand sind.

In Sahagún endet der Camino Real.

Von hieran ist der Camino Francés bis Santiago de Compostela zu folgen.


Meinem Bericht suggeriert den Eindru
ck, dass man überwiegend auf Asphaltstrassen unterwegs ist oder das Rad schieben muss. Dies ist falsch. Hauptsächlich ist der Camino gut mit dem Rad befahrbar. Das Ausweichen auf Asphaltstrassen kommt relativ selten vor.

Im Jahr 2006 möchte ich Santiago über den Camino del Norte erreichen. Deshalb habe ich ab Leon den Camino Francés in Richtung Embalse de Luna und Puerto Ventana verlassen um Oviedo zu erreichen.

Diese Strecke ist 185 KM lang und bietet sicher die abwechselungsreichste und schönste Landschaft der gesamten Tour und ist nur zu empfehlen.

Da in dieser Gegend die Übernachtungsmöglichkeiten knapp sind, sind Reservierungen anzuraten. 

Über den Puerto Pajares führt ein anderer Weg von Leon nach Oviedo. Dieser ist eine Zubringerstrecke zum Camino del Norte und ist entsprechend mit gelben Pfeilen gekennzeichnet.

Fotoalbum

Der Weg von Madrid bis Shagún

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